GELEBTER KLIMASCHUTZ
SEIT JAHREN VERSUCHEN DIE GRÜNEN – OFT BELÄCHELT – AUF DEN DROHENDEN KLIMAWANDEL AUFMERKSAM ZU MACHEN. SEIT EINIGEN MONATEN SCHEINT ALLES ANDERS. DEM THEMA, SAMT SCHRECKENSSZENARIEN, IST KAUM ZU ENTKOMMEN.
Wird den Grünen eines ihrer wichtigsten Themen weggenommen? Ruperta Lichtenecker, grüne Umweltsprecherin, lacht. Ehe sie antworten kann, läutet das Telefon: Eine Journalistin möchte Hintergrundinformationen zum Klimawandel. Es geht darum, grüne Kompetenz zu nützen. So gerät das Telefonat bereitwillig zum grünen Einführungsseminar über Gefahren des Klimawandels, Klimaschutz und Versäumnisse der österreichischen Regierung. Bei letzterem wird Ruperta Lichteneckers Stimme etwas lauter. Sie kritisiert heftig, dass das deutsche Ökostromgesetz inzwischen selbst in Ländern wie China und Indien auf großes Interesse stößt, in Österreich aber noch immer bloß davon gesprochen wird, dass man etwas machen werde.
Individuelle Verantwortung
Einstweilen solle man, so Umweltminister Pröll, auf Fernflüge verzichten. So könne jede/r etwas beitragen. Bei diesem Thema analysiert die Grünpolitikerin trocken: „Pure Polemik!“ Klar, für den ökologischen Fußabdruck seien solche Reisen katastrophal, doch der Austausch mit anderen Kulturen, das Erfahren anderer Landschaften und der Kontakt mit Menschen sei nicht einfach durch eine Fernsehsendung zu ersetzen. Ein Zwiespalt, der bei den Grünen durchaus auch intern besteht: Welche persönlichen “Opfer” sind notwendig und zumutbar – und welche verzichtbar? Individuelle Verantwortung gegenüber der Umwelt ist unerlässlich, aber nicht genug. Ruperta Lichtenecker versucht stets darauf aufmerksam zu machen, dass Staat und Wirtschaft dringend Rahmenbedingungen schaffen müssen, anstatt die Verantwortung auf die Zivilgesellschaft abzuwälzen. Am wichtigsten sei es, gegenwärtige und zukünftige Verbindlichkeiten zu schaffen, mit konkreten Zielen, verankert in Gesetzen – und dann rasch Investitionen in den Klimaschutz zu tätigen. Die grüne Umweltsprecherin schöpft hier aus den Vollen, hat sie doch ein umfangreiches Repertoire an Vorschlägen – vom Wohnbau über Verkehrsfragen bis zum Ökostrom –anzubieten.
Wertvolle Investition
Eine Studie des britischen Ökonomen Nicholas Stern zeigt, dass man mit Investitionen im Wert von 1% des Bruttoinlandsprodukts zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zwischen 5-20% an Folgekosten einsparen könnte. Die Ergebnisse dieser Studie, so Ruperta Lichtenecker, ließen sich auch auf Österreich umlegen. Doch die Regierung, insbesondere BM Pröll und die beiden ehemaligen Umweltminister Bartenstein und Molterer, handeln nicht. Dabei steht für die Grünpolitikerin, die auch Universitätslektorin für Ökonomie ist, fest: die Energieversorgung wird das zentrale Thema jeder Volkswirtschaft. Die Investition in erneuerbare Energien und in Energieeffizienz– noch ein Wort, bei dem sie energisch wird – hält sie für eine wirtschaftliche, politische aber auch soziale Chance für Österreich. Die Befriedigung, wie es wäre, energiepolitisch weitgehend autark und unabhängig zu sein, kann sie gut nachvollziehen – durchaus auch losgelöst von dem markanten Spruch „Pellets statt Putin“.
