VERSANDET
Vogelgrippe
Eines der medialen Topthemen der vergangenen Jahre ist zur Zeit fast verschwunden, die „Vogelgrippe“. Der für die Seuche verantwortliche H5N1-Virus hat sich, wie der deutsche Experte Thomas Mettenleiter erklärt, „nicht aus Europa verabschiedet, sondern schlummert irgendwo in Wildvögeln, z.B. Schwänen.
“Anfang des Jahres war ein auch auf Menschenübertragbares Virus – zuerst in einer Gänsezucht in Ungarn, dann auf einer großen englischen Geflügelfarm– aufgetaucht. Die Absurdität moderner Geflügelzucht manifestiert sich in den Zahlen der geschlachtetenTiere: In der englischen Geflügelfarm kamen nach dem Seuchenalarm 159.000 Puten und Hühner unters Messer. Am Höhepunkt der medialen Aufregung um die Vogelgrippe im Oktober 2005 war ein österreichweites Verbot für Freiland-Geflügelhaltung erlassen worden. Es mussten also genau jene Bauern (und ihre Tiere) die Folgen der Massentierhaltung büßen, die sich um artgerechtere Tierhaltung bemühen.
Inzwischen ist hier Beruhigung eingetreten, die Hühner dürfen wieder unbehelligt in den Höfenscharren. Die größte Angst, der Wiener Arzt und Ethnologe Armin Prinz spricht von enormer Panik, herrschte aber vor einem Übergreifen der Vogelseuche auf den Menschen. Prinz ist Leiter der Reisemedizinischen Ambulanz am Flughafen Wien Schwechat, die am Höhepunkt des Vogelgrippen-Hypes von besorgten Reisenden belagert wurde. Er sieht die Aufregung auch durch das Verhalten von ExpertInnen angeheizt:„Zu viele Leute wollen sich profilieren.“ Die Vogelgrippe war allerdings kein Einzelfall. Beim Auftreten der Lungenpest in Indien wurden alle indischen Reisenden und Menschen, die „irgendwie exotisch“aussahen, von den Flughafenbeamten zur Ambulanz gebracht. Die Untersuchungen wurden allerdings nur durchgeführt bis sich zwei DiplomatInnen diese Behandlung nicht gefallen ließen. Inzwischen sind Pest und Vogelgrippe am Flughafen kein Thema mehr. Was Prinz allerdings auch für bedenklich hält.„Die Menschen stumpfen ab wenn Dinge so hochgespielt werden und sich das dann als reine Panikmache herausstellt.“ Prinz befürchtet, dass es im Falle einer wirklichen Bedrohung schwierig wird, notwendige Sicherheitsmaßnahmen durchzusetzen – wenn überhaupt Zeit bleibt um zu reagieren. „Ich kann mirvorstellen, dass Viren die halbe Menschheit ausrotten, wir werden das aber nicht voraussagen können.“

