POLITISCHE „VISION“ UND LÄNDLICHE REALITÄT
Die burgenländische Landesregierung hat stolz erklärt, dass die Bezirke Jennersdorf und Güssing zu einer Modellversuchsregion für die Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen erklärt werden. Kein großes Kunststück: In beiden Bezirken gab es nie eine AHS-Unterstufe. 90% aller Kinder gingen immer schon in die Hauptschule und entschieden über ihren weiteren Bildungsweg erst mit 14. Die restlichen 10% besuchen eine AHS-Unterstufe im Bezirk Oberwart oder einem benachbarten steirischen Bezirk.
Meine persönlichen Erfahrungen: Mein älterer Sohn ging in die Hauptschule, mein jüngerer in eine steirische AHS. Grund für die jeweilige Entscheidung war keineswegs der Schultyp, sondern dass meine Söhne dort in die Schule gehen wollten, wo der Großteil ihrer Freunde hinging.
Ergebnis: Mein älterer Sohn wurde in der Hauptschule mit einer mathematischen und naturwissenschaftlichen Begabung und einer leichten Legasthenie optimal gefördert, engagierte Lehrer haben sich auch sehr um das soziale Klima in der Klasse gekümmert. Mein jüngerer Sohn wurde in einer steirischen AHS, die von sich behauptet eine „Eliteschule“ zu sein, so ziemlich allein gelassen. Als er in einer pubertätsbedingten Krise ein Halbjahreszeugnis mit sechs Nicht Genügend und einer endlosen Liste von unentschuldigten Stunden heimbrachte, wurde weder ich rechtzeitig informiert noch wussten die LehrerInnen untereinander Bescheid, dass das Kind in einer Krise steckt. Er hat dann die Klasse mit teurer Nachhilfe doch noch geschafft.
Meine persönliche Schlussfolgerung: Ich stehe zur Gemeinsamen Schule, aber ebenso wichtig sind Qualitätskriterien und ganzheitliche Betreuung der Kinder! Die Schulpolitik der schwarz-blau-orangen Koalition hat jegliche Fördermaßnahmen, jegliches Zusatzangebot, jegliche persönliche Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder auf ein Minimum zurückgestrichen. Es kann nicht dem Zufall überlassen bleiben, ob Eltern in einer verkraftbaren Entfernung eine gute Schule finden, sondern ALLE Schulen in Österreich müssen entschieden besser werden.
Daniela Graf ist Obfrau der GBW

