ETIKETTENSCHWINDEL
web 2.0 / Ende September 2005 prägte der irische Altphilologe Tim O’Reilly, der 1993 gemeinsam mit Dale Dougherty die erste kommerzielle Website ins Internet gestellt hatte, in einem Artikel den Begriff Web 2.0. Er betrachtete den Zusammenbruch der sogenannten Dot-Com-Blase als Marktbereinigung und befand das Web, das sich in den Jahren danach entwickelt hatte, für spannender als je zuvor: userfreundlicher, vernetzter – und letztlich auch profitabler. Man braucht keine teure Software mehr, das Internet selbst stellt die Anwendungen zur Verfügung, überall und jederzeit. Das Web wird zur Plattform. Im Vordergrund steht der Austausch, etwa bei FlickR, Wikipedia, YouTube und zahllosen Spielen.
Etikettenschwindel 1: Längst haben sich große Unternehmen hinter erfolgreiche Projekte gestellt: eBay kaufte Skype, Flickr gehört Yahoo! und Google hat sich YouTube einverleibt.
Etikettenschwindel 2: Die Datenspuren, die man bei jedem Besuch hinterlässt, werden zunehmend vernetzt. Die große Freiheit erweist sich als Schlachtplatz um die besten KonsumentInnendaten. So sammelt die beliebte Suchmaschine Google Daten aller UserInnen. Tim O’Reilly ärgert zwar der Hype um den Namen, doch glaubt er nach wie vor an die „Weisheit der Vielen“ im Web 2.0. Dass einige sich kollektiv entwickelte Ideen nehmen und damit Geschäfte machen, sieht er positiv (kein Wunder, denn schließlich übernahm er selbst den Begriff Web 2.0 von einem Mitarbeiter): Die eigentlichen Erfinder würden auf diese Weise wenigstens einen besseren Ruf bekommen – und in der Zukunft vielleicht bessere Jobs.
Etikettenschwindel 3: Das Internet war von Anfang an darauf ausgerichtet,sich weiterzuentwickeln und ist Moden unterworfen. Die inzwischen veränderte Wahrnehmung und Nutzung ist selbstverständlich und für die meisten NutzerInnen nicht einmal ein Etikett.
