MIT OFFENEN AUGEN

Foto: Die Grünen Wien

Bei strömenden Regen gedachten mehr als 70 Menschen in der Nacht von 9. auf 10. November 2008 der Gräueltaten der Nazis. Sechs Gedenkplätze waren von den Teilorganisationen der Wiener Grünen unter dem Motto „Gelebter Alltagsrassismus“ ausgesucht worden. Diskriminierung und Ausgrenzung fordern auch heute ihre Opfer, derer gedacht wurde, insbesondere dem am Heumarkt – wo der Gedenkgang begann – im Jahr 2003 umgekommenen Seibane W. Am Lueger-Platz wurde eine Umbenennung in Erinnerung an die im KZ ermordete Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis gefordert. Dann ging es weiter zur Postgasse, wo militante „LebensschützerInnen“ die Fristenlösung mit dem Holocaust vergleichen und dadurch die NS-Opfer verniedlichen.

Am Morzinplatz wurde den Opfern des Terrors gegen Lesben und Schwule gedacht. Die RednerInnen wiesen darauf hin, dass trotz Zusage und Ausschreibungen bis heute kein Mahnmal an diese Opfer erinnert. Einen Erfolg konnte dieser Rundgang anlässlich des Gedenkjahres bereits verzeichnen: Die Forderung, bei der U-Bahnstation Herminengasse – einer Straße mit lediglich 21 Hausnummern und mehr als 600 Vertriebenen und Deportierten – eine Gedenktafel zu errichten, wurde inzwischen von den Wiener Linien erfüllt.

Am Deutschmeisterplatz beschäftigten wir uns mit jenen, die nach wie vor den 8.Mai als „Tag der totalen Niederlage“ betrauern und das Wiederbetätigungsgesetz abschaffen wollen. Abschließend, bekräftigte die Wiener Klubobfrau Maria Vassilakou im Albert Schweitzer-Haus die Positionen der Grünen, niemals zu vergessen und alles daran zu setzen, dass solches nicht wieder geschehen darf.

Niki Kunrath