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Mit Eva Glawischnig erhalten die Grünen eine Bundessprecherin, die rasch ihren eigenen Stil und wahrscheinlich auch einen leichten Wandel in Richtung eines schärferen Tons durchsetzen wird. Manche werden es als radikaleres Auftreten empfinden und zweifellos wird genau das den Grünen gut tun. Alexander Van der Bellen wusste das, als er sich aus der Rolle des Grünen Bundessprechers zurückzog.
Das Überraschende an seinem raschen Rückzug nach der Nationalratswahl war daher weniger dieser selbst, den er im Laufe der Jahre ohnehin mehrfach angekündigt hatte. Wer ihm zugehört hatte, wusste, Alexander Van der Bellen würde eines Tages unvermutet Abschied nehmen. Es war vielmehr so, dass man es sich nicht vorstellen konnte oder wollte.
Die Überraschung lag daher im Umgang der Grünen mit diesem Rücktritt: ein Aufschrei – der keine fünf Minuten dauerte. Ein leichtes Granteln, dass dieser Schritt unfair rasch und unangekündigt gekommen sei.
Dann: Stille.
Zumindest in der Öffentlichkeit kaum ein Wort des Bedauerns. Ein wenig Kritik, die beleidigt oder trotzig klang. Doch auch diese ging rasch in Schweigen über. Die Grünen waren noch nie besonders geschickt in Wertschätzung füreinander. Im Grünen Projekt, ähnlich wie in NGOs, gilt jedes Tun, jede Selbstausbeutung, jede noch so gute Leistung als selbstverständlich. Dankbarkeit passt nicht in diese Kategorie.
Man musste und wollte nicht immer einverstanden sein mit Van der Bellens Ansichten und Entscheidungen. Manchmal wäre ein schärferer Ton hilfreich gewesen. Manchmal eine deutlichere Abgrenzung vom Wunsch nach Regierungsbeteiligung. Dennoch mutet es seltsam an, dass Alexander Van der Bellen derzeit ähnlich einem Tabu kaum genannt wird. Eva Glawischnig braucht seinen völligen Rückzug, um sich etablieren zu können.
Doch das bedeutet weder ein Verschwinden-Müssen noch ein Verschwinden-Lassen. Die ruhige Stimme eines klugen Menschen wird auch dann noch gebraucht, wenn er nicht mehr Parteichef ist.
Eva Glawischnig sagte gegenüber planet, sie hoffe, er würde jetzt wieder Seiten aus The Economist herausreißen und den einzelnen Abgeordneten ins Postfach legen. Es wäre schön, wenn er das nicht schweigend täte.

