VOR ORT
Am 17. und 18. Oktober 2008 wurden in Paris im Rahmen der Konferenz „des ponts pas des murs“ wichtige Akzente gegen die aktuelle Migrationspolitik der EU gesetzt. Über 900 AktivistInnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, NGOs und Gewerkschaften aus Europa und Afrika nahmen an der Konferenz teil. Zur Demonstration am Tag darauf kamen ca. 3.000 Menschen. Protestiert wurde gegen den Regierungsgipfel der EU in Brüssel, auf dessen Tagesordnung die Annahme des neuen „Europäischen Pakts zu Immigration und Asyl“ stand, sowie gegen den zweiten „euroafrikanischen Gipfel zur Migrationspolitik“, der einige Tage später in Paris stattfand.
Höchst beeindruckend war die Vielfalt und Dynamik der zahlreich anwesenden westafrikanischen Organisationen. Eine besonders bemerkenswerte, die „Association des Maliens expulses“ (Vereinigung der Abgeschobenen aus Mali) betreut Opfer von Abschiebungen in der Hauptstadt Bamako und ist mit der Bewegung der „Sans Papiers“ (Papierlosen) in Paris bestens vernetzt. Im Vorort Montreuil, wo die Konferenz stattfand, gibt es eine starke Bewegung von Illegalisierten, die nicht selten aus Mali kommen.
Wir waren während der Tage unseres Aufenthalts bei „Sans Papiers“ untergebracht, einige von ihnen wohnen gemeinsam mit französischen AktivistInnen in besetzten Häusern. Auf der Konferenz wurde auch über solidarische Ökonomie und Entwicklungsmöglichkeiten für Afrika geredet – nicht mit caritativen Methoden sondern im Sinne von Selbstermächtigung und Widerstand – dies ist laut den afrikanischen Organisationen gerade in Zeiten von Hungerrevolten besonders wichtig. Madjiguene Cisse, die auch in deutschsprachigen Ländern mit ihrem Buch „Papiere für alle“ (Assoziation A) bekannt geworden ist, stellte ihre Organisation REFDAF – „Netzwerk von Frauen für nachhaltige Entwicklung in Afrika“ vor.
Wichtig ist, diese starke Bewegung gegen Rassismus und Ausbeutung, die es in Frankreich und Westafrika gibt, auch im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Von ihr lässt sich einiges lernen.

