YES, WE SHOULD!

Es war mutig von Eva Glawischnig die Partei nach dem Rücktritt VdBs zu übernehmen. Sie war zwar die logische Nachfolgerin, aber „Eva, wer sonst“ gilt nicht unbedingt bei grünen IndividualistInnen. Sie wird in den nächsten Monaten angesichts Reformnotwendigkeiten, der Neuaufstellung der Partei aber auch Maßnahmen zur verstärkten Wahrnehmung grüner Ziele und Projekte in der Öffentlichkeit die faire und verlässliche Unterstützung ALLER (auch der Einzelgänger und besagter IndividualistInnen!) brauchen, sowohl der Abgeordneten, der MitarbeiterInnen, der Landesparteien, ja, und auch der des Öfteren unberechenbaren Basis. Ebenso wird sie dazu Euer aller Ideenreichtum, den Durchsetzungswillen und die intellektuelle Auseinandersetzung benötigen, um die Grünen aus ihrer gegenwärtigen Bedeutungslosigkeit heraus zu führen.

Ein Wort zu den letzten, für alle Beteiligten enttäuschenden Wahlen: Nicht nur mich hat in der Wahlwerbung die übermäßige Gewichtung auf den Spitzenkandidaten gestört. „Nicht mit mir“ schallte es von allen Wänden. Das Gefühl einer Gemeinsamkeit der GrünaktivistInnen, die zielgerichtet an einem Strang ziehen, ging baden. Weshalb nicht:„Nicht mit UNS“. GrünwählerInnen, die bekanntlich oft viele (und oft zu hohe) Erwartungen an „ihre“ Partei stellen, und nach Inhalten suchen, blieben unbefriedigt. Der Wahlwerbung mangelte es an politischem und grünem Instinkt.

Viele sind gerannt für diese Wahlen.

Doch wer jemals einen Wahlkampf in Großbritannien erlebt hat, in dem die KandidatInnen in ihren jeweiligen Wahlkreisen (Constituencies) buchstäblich von Haustür zu Haustür pilgern und den BewohnerInnen nicht nur freundlich die Hand schütteln, sondern sie nach ihren Problemen fragen, um ihnen zu erklären, was sie im House of Commons durchzusetzen gedenken, fragt sich, ob es nicht bei uns an direktem Kontakt mit der Bevölkerung mangelt.

Auch KronenzeitungsleserInnen sind mit Überzeugung zu gewinnen. Es gilt in der Meinungsforschung seit Jahren, dass die ökologische Grundströmung in allen Industrieländern breitere Bevölkerungsschichten erfasst hat. 1984 schon konstatierte Rudolf Brettschneider vom Fessel-Institut über 30% potentielle GrünwählerInnen.

Wo sind die geblieben? Es ist offensichtlich bisher nicht gelungen, dieses Potential, das über die fortschrittliche, meist intellektuelle und in der Mehrzahl gut informierte StammwählerInnenschaft hinausgeht, anzusprechen.

Es ist sicherlich schwieriger, weniger interessierte Menschen, die auch anfälliger für den Populismus von rechts sind, für Grün zu gewinnen. Doch irren wir uns nicht, auch sie leiden unter schlechten Umweltbedingungen, unter Lärm, Gestank und Chemie in der Nahrung und wären mittelfristig gewinnbar für unsere Ziele. Aber ich fürchte, das ist nur durch direkten und persönlichen Kontakt zu erreichen, die schönsten abstrakten Programme oder Manifeste sind da nutzlos.

Freda Meissner-Blau ist ehemalige Bundespräsidentschaftskandidatin und war die erste Klubvorsitzende der Grünen Alternative.