DER ETHIKSCHMÄH - EIN CONTRA.
Spätestens seit das Spielglück die Finanzmärkte verlassen hat, kann keine dieser Behauptungen guten Gewissens aufrechterhalten werden: Ethikfonds entwickeln sich genauso schlecht wie alle anderen Fonds, die Dividenden sinken und der Spaß für InvestorInnen hat damit wohl ein Ende.
Zweifelhafte Grundsätze.
Aber auch an Ethik bleibt nicht viel übrig: Die größten österreichischen „Ethikfonds“ zählen etwa zu ihren Grundsätzen, mit Abtreibung kein Geld zu machen. Von der gesellschaftlichen Stimmungsmache abgesehen: Was ist ethisch am Tod von 450.000 Frauen im Jahr, die illegalisiert und/oder unter unzureichenden Bedingungen abtreiben müssen? Was bedeutet „ethisch“, wenn Sanofi-Aventis all seine „kritischen“ Sparten für gutes Geld verkauft hat, um zur Lieblingsaktie aller „Ethik“-Fonds aufzusteigen? Was bedeutete es bei der schweizerischen UBS (Stichworte NS-Zeit, aber auch Subprime, ...), bei Google (Weitergabe von Daten an chinesische Behörden), Intel, Cisco, Palmolive, der Telekom (die ganz ethisch ihre MitarbeiterInnen mobbt) oder der Verbundgesellschaft? Und wie sieht der angebliche Einfluss aus? Der weltweit größte „Ethikfonds“, der norwegische Staatsfonds, ist sehr aktiv, was die Durchsetzung der Fondsgrundsätze betrifft.
Im Jahr 2008 wurden zahlreiche Konzerne, darunter etwa Rio Tinto, wegen Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen vom Fonds ausgeschlossen. Nachhaltige Folgen, räumt die Fondsverwaltung selbst in ihrem Bericht ein, hat das nicht: Der durchschnittliche Anteil des Fonds an einem Unternehmen von 0,8% ist weit von jeder realistischen Einflussmöglichkeit entfernt. Bleibt hinzuzufügen, dass Nichtstaatsfonds zwischen dem Komma und der acht allesamt noch ein paar Nullen einfügen müssen.
Kamel im Nadelöhr.
Aber das alles bringt uns noch nicht zum Kern des Problems: Aktien sind in erster Linie nicht Unternehmensbeteiligungen, sondern Wetten auf Kursverläufe. Wer in Aktien investiert, wettet – ob „ethisch“ oder „unethisch“ – darauf, dass zumindest 50% seiner/ihrer MitspielerInnen die Wette verlieren. Selbst die angeblich sauberste aller Aktien – und das wird uns gerade weltweit vorgeführt – kann nur gewinnen, wenn zumindest andere börsennotierte Unternehmen die Menschenrechte missachten, Umweltschutzbestimmungen ignorieren, Hungerlöhne zahlen, Pensionen kürzen und kurzfristige, ressourcenzerstörende Investitionspolitik betreiben. Nur unter diesen Bedingungen kann nämlich jener Finanzmarkt entstehen, der Aktien an sich erst für AnlegerInnen interessant macht.
Aktien sind Waffen, die täglich weltweit Menschen töten. Ethikfonds sind bunt angemalte Waffen...
Das Argument, diese Kritik basiere auf Momentaufnahmen in einer Krisensituation, übersieht, dass die „Anfangserfolge“ der Ethikfonds unzulässige Momentaufnahmen sind.
Ein neues „Produkt“ mit sozial-verträglich-verbessertem Geschmack in einer Nische des Mainstreams und in der Konjunktur erreicht verständlicherweise gute Werte. Und bei der Etablierung wurden nur Unternehmen aufgenommen, die mittelfristig Gewinne versprachen.
