TELESKOP
Mein Freund wählt grün, mein Bruder wählt grün, der beste Freund meines Bruders wählt grün und auch der beste Freund meines Freundes wählt grün. Ich bin von grünwählenden Männern umgeben. Sie sind friedlich und aufgeklärt, politisch korrekt und emotionell durchgedendert. Sie klappen ihre Klositze erst nach dem Pinkeln herunter, denken mit ihren weiblichen Gehirnhälften und haben ihr Testosteron einigermaßen im Griff. Es sind gute Männer. Seit kurzem hängt der Segen schief, meine grünwählenden Männer sind schwer beleidigt. In der Seele getroffen.
Warum seid ihr in der Seele getroffen, frage ich meine grünwählenden Freunde, Brüder, Freundesfreunde und Brüderfreunde. Wir werden dämonisiert. Wir werden auf unser Geschlecht reduziert. Und wir werden gemobbt. Aha, sage ich, ich weiß, woher der Wind weht. Voggenhuber, sage ich. Es ist die Causa Voggenhuber. Auch. Es gibt keine grünen Männer mehr, sagen meine grünen Männer. Den Voggenhuber haben sie umgebracht. Der Van der Bellen hat den Hut drauf gehaut. Und der Pilz steht auch schon auf der Abschussliste. Sie sind Silberrücken, das ist ihr Verbrechen. Aber auch Silberrücken können gute Männer sein.
Wir sind normale, friedliche Männer, so grün wie aufgeklärt, politisch korrekt und emotionell durchgedendert. Aber wir wollen nicht dämonisiert werden. Von wem werdet ihr dämonisiert, frage ich meine grünen Männer? Von den Weibern. Ach, sage ich, daher weht der Wind, es geht um das alte Spiel. Es geht um den Geschlechterkampf. Nein, sagen meine grünwählenden Männer, es geht nicht um das Was, es geht um das Wie. Es geht nicht darum, dass Frauen an der grünen Spitze stehen. Es geht darum, dass ausschließlich Frauen an der Spitze stehen. Aber das ist doch nur gerecht, sage ich, bisher war es umgekehrt, sage ich. Genau, sagen meine grünwählenden Männer. Bisher war es umgekehrt, Männer waren an der Spitze, weil sie Männer waren. Was soll daran besser sein, dass es jetzt genau umgekehrt ist?
Und wie soll es sein, frage ich? Normal soll es sein, sagen meine grünen Männer. Ganz einfach normal. Und wie müssen grüne Frauen sein, bohre ich nach, damit ihr euch von ihnen vertreten fühlt? Normal, sagen meine Männer. Sind sie das nicht, die grünen Frauen an der Spitze? Nein, sagen meine grünen Männer, das sind sie nicht. Sie sind aufgetakelt, als wäre die Politik eine große Aufrissparty. Wir gehen auch nicht gepimpt in die Arbeit, sagen meine grünen Männer. Wir ziehen uns auch nicht an wie Tony Montana.
Die Filmregisseurin und Autorin Andrea Maria Dusl schreibt für planet, Standard und Salzburger Nachrichten und den Falter und hostet das Weblog www.comandantina.com.
