HAIDERS ERBE
Kärnten ist ein schönes Land. 200 Seen und viel Natur. Doch Kärnten ist bewohnt. Eine Tatsache, welche die jahrzehntelange Besucherin immer aufs Neue in Verwirrung stürzt. Kürzlich in einem kleinen Ort am Fuße der Tauern: Die freundliche Wirtin des einzigen Gasthauses jammert herzzerreißend über die schlechten Zeiten. Ich suche nach Zusammenhängen und frage sie prompt: „Sie haben vermutlich auch BZÖ gewählt?“ „Nein“, meinte sie, „ich habe nicht BZÖ, ich habe unseren Jörg im Himmel gewählt!“ Ich war zu verblüfft, um sie zu fragen, ob sie denn glaube, dass dieser, „unser Jörg“ ihr nun die himmlischen Heerscharen als Gäste in die gähnend leere Wirtsstube schicken werde.
Doch die Auferstehung ist nicht weit. Dieses Jahr ließ sie noch auf sich warten, trotz der Ostergrüße, welche „die Witwe“, wie Claudia Haider in Kärnten heißt, an ihre Freunde verschickte, mit dem viel-, nein eindeutigen Text:
Am Freitag den 10. 10. verließ Jörg mit einem Lächeln das Haus
Am Samstag den 11. 10. starb Jörg
Am Sonntag den 12. 10. ...
Und um keine Zweifel an den Gemeinsamkeiten der beiden Toten aufkommen zu lassen:
Ein halbes Jahr später feiern wir Ostern.
Karfreitag, der 10. 4.
Karsamstag, der 11. 4.
Ostersonntag, der 12. 4. ...
Nun, Geduld, vielleicht klappt es nächste Ostern.
In der Süddeutschen Zeitung las ich über Großkirchheim am Fuße des Großglockners. Der dortige stramme BZÖ-Bürgermeister erklärte dem Journalisten: „Türken bekommen bei uns keine Wohnung, muslimische Kinder dürfen hier nicht zur Schule.Wollen Türken einen Grund kaufen, dann kaufen wir ihn vorher weg“. Und zu schlechter Letzt: „Hier gilt unser Recht, sonst nichts!“
Die inszenierte pathologische Trauer, die noch immer das Land im Griff hat, ist unverständlich für Außenstehende. Man stellt sich Fragen zu ihren Ursachen. Sind es historische Traumata, seelische Abhängigkeit von einem sich als Führerfigur gerierenden Landeshauptmann? Weshalb diese Mythenbildung und das Nicht akzeptieren-wollen, dass er sich im Wodka-Rausch mit 180 Sachen überschlug? Der, den sie heute den „König der Herzen“ nennen, blind für die Folgen seiner menschenverachtenden Politik. Wer sich interessiert, dem seien die überzeugenden psychologisch-historischen Erklärungen von Professor Klaus Ottomeyer empfohlen, dem Autor zahlreicher Bücher über Vorurteile, Traumadiagnostik und über Jörg Haider. Er hat die Wunschphantasien vieler KärtnerInnen untersucht und ein überzeugendes Buch vorgelegt: „Jörg Haider – Mythenbildung und Erbschaft.“ Drava Verlag, Klagenfurt 2009.
Freda Meissner-Blau ist ehemalige Bundespräsidentschaftskandidatin und war die erste Klubvorsitzende der Grünen Alternative.
