GERECHTIGKEIT.

- Foto: Christian Pitschl
Assoziationen zum Begriff, zum Wert „Gerechtigkeit“ sind vielfältig: von „streng aber gerecht“ bis zu „Gerechtigkeit für Markus Omofuma“, von „Verteilungsgerechtigkeit“ bis zur „gerechten Strafe“. Von Gerechtigkeit ist auch in Sonntags- und Wahlkampfreden wieder vermehrt die Rede. „Es kann doch nicht gerecht sein, dass ...“, heißt es da, wenn es zum Beispiel um die Auswirkungen der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise geht. Was unter Gerechtigkeit verstanden wird, hängt davon ab, wer die Macht hat, wer über Werte und Begriffe bestimmen kann. Aber diese Definitionsmacht bleibt nicht unwidersprochen. Statt dem Primat der ökonomischen Verwertbarkeit unter dem nur das gerecht ist, was auch nutzt, steht ein Grundrecht auf Bedürfnisbefriedigung für alle. Statt einer angeblich universellen, in Wirklichkeit partikulär westlichen Gerechtigkeit, stehen viele Gerechtigkeiten, statt der blinden Iustitia eine parteinehmende, mitleidende Gerechtigkeit. planet hinterfragt gängige Konzepte von Gerechtigkeit und liefert Diskussionsanstöße für die Grüne Sommerakademie oder eine sommerliche Debatte im Schanigarten.
GERECHTIGKEIT WIRD IN DISKUSSIONEN OFT GEFORDERT, WENN ES UM SCHEINBAR ODER TATSÄCHLICH ZU KURZ GEKOMMENE GEHT, ODER STRENGE STRAFEN FÜR ABWEICHENDES VERHALTEN GEFORDERT WERDEN. MACHT MAN DEN BEGRIFF „GERECHTIGKEIT“ SELBST ZUM THEMA, TUN SICH ÜBERRASCHENDE PERSPEKTIVEN AUF.
IMMER MEHR WERDEN FUNKTIONEN DES WOHLFAHRTSSTAATES NACH ÖKONOMISTISCHEN KRITERIEN REFORMIERT. DAS BEDEUTET: STATT BEDINGUNGSLOSEM GRUNDEINKOMMEN SOZIALINVESTITIONEN ZUR STEIGERUNG VON WETTBEWERBSFÄHIGKEIT UND STANDORTSICHERUNG.
JUSTITIA IST BLIND: DIE WESTLICHE KONSTRUKTION VON GERECHTIGKEIT BERUHT AUF NEUTRALITÄT UND EINER KLAREN, UNIVERSELL GEDACHTEN UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN GERECHTIGKEIT UND UNRECHT. ABER ANDERE KULTURELLE LEITMOTIVE, ANDERE ZUSAMMENHÄNGE FÜHREN AUCH ZU ANDEREN, ZU TEILNEHMENDEN GERECHTIGKEITEN.
