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Als Augusto Boal Lateinamerika in den 1970ern aus politischen Gründen verlassen musste und seine Theatermethoden nach Europa mitbrachte, schien es schwer vorstellbar, dass Theater nochmals das sein könnte, wo man tatenlos im Publikum sitzend über sich ergehen lässt, was vorgetragen wird. Mit Hilfe von Theaterübungen wollte er anregen „Theater für das Volk“ zu machen und vor allem aufzeigen, dass man sich gegen Unterdrückung wehren kann, wenn man erkennt, dass man die Möglichkeit zur Veränderung selbst in die Hände nehmen kann. Sein bekanntestes Buch „Theater der Unterdrückten“ kann dahingehend als Rezeptbuch oder Leitfaden gelesen werden.
30 Jahre nach seinem ersten Erscheinen im deutschsprachigen Raum beinhaltet dieses Buch noch immer Revolutionäres: gegen den stillen Gehorsam gegenüber Politik, Staat, einer nur präsentierenden Kunst und Medienmacht.
So ist eine seiner einfachsten Formen des Theaters das Zeitungstheater, in dem man „richtig lesen lernen“ soll. Manchmal scheint der Leerplatz zwischen den Zeilen wichtiger als das gedruckte Wort. Augusto Boal regt an, Zeitungsmeldungen laut zu lesen – etwa in einem anderen Rhythmus – und schon ändert sich die Bedeutung, wird Verborgenes sichtbar.
Durch das Buch zieht sich der Aufruf, dass jede/r kreativ und begabt ist, dass jede/r (Theater) spielen kann und dass Unterdrückung bereits dort ihr Ende finden kann, wo man anerkennt, dass man nicht machtlos sein muss.
Die UNESCO zeichnete sein Theater der Unterdrückten als „Methode des sozialen Wandels“ aus. Es regt an tätig zu werden anstatt still zu halten. Am 2. Mai dieses Jahres starb Augusto Boal. Den Friedensnobelpreis, für den er vorgeschlagen war, wird er nun nicht mehr bekommen, seine Theatermethoden und Bücher aber werden weiterhin Denken und Tun beeinflussen. (di)
Augusto Boal: Theater der Unterdrückten. Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler. Frankfurt am Main 1979, Suhrkamp Verlag.
