ARBEITSMARKT IN DER KRISE – JOBMOTOR UMWELTWIRTSCHAFT
In den letzten Jahren hat sich Oberösterreich zu einem ökologischen Vorzeigeland entwickelt. Nicht nur die Luftwerte im Großraum Linz haben sich deutlich verbessert, auch im ökologischen Hochwasserschutz nimmt das Bundesland in der Zwischenzeit eine Vorreiterrolle ein. Als weltweit erste Region beschloss Oberösterreich die Energiewende und wird bis ins Jahr 2030 aus Öl, Kohle und Gas für die Strom- und Wärmeerzeugung aussteigen.
14.500 Ökojobs geschaffen
Von der Vorreiterrolle im Ökobereich profitiert vor allem die oberösterreichische Umweltwirtschaft, die sich in den letzten Jahren zu einer zentralen Säule der heimischen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes entwickelt hat. Vor einigen Jahren gründete das Land Oberösterreich den Ökoenergie-Cluster. Heute sind darin über 150 oberösterreichische Ökoenergiefirmen zusammengeschlossen. Es sind dies vor allem Unternehmen aus den Bereichen Biomasse, Biogas, Sonnenenergie, Windenergie, Wärmepumpen, Passivhaustechnologie, Geothermie und Kleinwasserkraft. Zur Umweltwirtschaft zählen aber auch die Branchen Abfallwirtschaft, Gewässerschutz, Luftreinhaltung, Lärmbekämpfung ...
Eine aktuelle WIFO-Studie zur Umwelttechnikindustrie belegt, dass in Oberösterreich im Bereich der Umweltwirtschaft in den letzten Jahren insgesamt 14.500 Ökojobs geschaffen wurden. „Die von der Politik umgesetzten Umwelt-Netzwerke waren offensichtlich förderlich“, bestätigt auch die WIFO-Umweltökonomin Angela Köppl.
Ökojob-Agentur
Gleiches zeigt auch die aktuelle Untersuchung des Volkswirtschafters Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz. Rund 55.000 Arbeitsplätze gibt es im Umweltbereich in Oberösterreich, ein Drittel mehr als vor fünf Jahren. Und es werden mehr: „Wächst das Ökoenergie-Cluster Oberösterreich weiter wie bisher, werden sich die Arbeitsplätze bis 2015 mehr als verdoppeln“, so Schneider.
Trotz allgemeiner Wirtschaftskrise suchen nach wie vor zahlreiche Umweltbetriebe qualifizierte MitarbeiterInnen. 300 offene Jobs gab es Anfang September. Der Grüne Umweltlandesrat Rudi Anschober schlägt daher die Einrichtung einer Ökojob-Agentur vor, die helfen soll, diese Arbeitsplatzlücken speziell bei den Umweltwirtschaftsbetrieben zu schließen. Die Nachfrage nach qualifizierten MitarbeiterInnen könnte aber rasch größer werden, wenn die Ökoenergieunternehmen weiterhin im Export so erfolgreich sind und die Energiewende in Oberösterreich fortgesetzt wird. Er hofft, dass die Ökojob-Agentur ab Mitte nächsten Jahres ihre Arbeit aufnehmen wird. Ihre Hauptaufgabe: die Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme koordinieren und die Ökobetriebe in der Ausbildung ihres Fachpersonals unterstützen sowie den Qualifikationslücken nachspüren.
Marco Vanek ist Chefredakteur des oö.planet und leitet den planet Verlag.
