DER WEISHEIT LETZTER SCHLUSS?

Auf den ersten Blick bringt Kurzarbeit sowohl ArbeitnehmerInnen als auch ArbeitgeberInnen große Vorteile. Die Dienstverhältnisse bleiben aufrecht und die Unternehmen umgehen Rekrutierungsprobleme in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Das alles kostet aber auch – und zwar alle Beteiligten: Die Unternehmen und die Öffentlichkeit teilen sich die Arbeitskosten, die Beschäftigten in Kurzarbeit, derzeit in Österreich circa 60.000, nehmen Lohneinbußen in Kauf.

Anfang vom Ende

Kurzarbeit gilt nicht zu Unrecht als sanfte Maßnahme zur Überbrückung der Wirtschaftskrise und für den Erhalt der Arbeitsplätze. Dies impliziert jedoch eine gewisse zeitliche Befristung sowohl der Maßnahme, als auch der Krise. Die Maßnahme dauert derzeit, mit der Option auf Verlängerung, 18 Monate. Die Dauer, Tiefe und Reichweite der Krise ist hingegen völlig offen, auch wenn die Medien derzeit kolportieren, das Schlimmste sei überstanden. Tatsächlich kehren einzelne Unternehmen wieder zum alten Produktionsvolumen zurück und beenden die Kurzarbeit.

Bekanntermaßen sind es vor allem große, männerdominierte Industrieunternehmen, welche die Möglichkeit von Kurzarbeit nützen. Nicht ohne Grund fragen sich die Betroffenen: Ist das der Anfang vom Ende – was kommt danach? Ist Kurzarbeit als Maßnahme auf Dauer erfolgreich, oder handelt es sich dabei lediglich um einen Aufschub der Kündigungswellen? Folgen der Kurzarbeit die Kündigung und Betriebsschließung?
„Kurzarbeit verstärkt die Problemlage und verfestigt die Krise. Investitionen in überalterte Produkte und falsche Marktstrategien sind falsch.“ Diese Argumente sind sowohl aus neoliberalen Kreisen als auch von globalisierungskritischen Organisationen zu vernehmen. Sind sie sich diesbezüglich erstmals einig?

Teure Fehlinvestition

Nein, neoliberalen StrategInnen geht es in erster Linie um das Argument der Marktbereinigung durch die Krise und der mit Kurzarbeit verbundenen Marktverzerrung. Die globalisierungskritische Argumentation zielt hingegen auf eine Zukunftsentwicklung ab, die sich nicht an Vergangenem orientiert, an gescheiterten Strukturen zwanghaft festhält, sondern sich solidarischen – im Gegensatz zu wettbewerbsorientierten – Wirtschaftsformen zuwendet. Nicht überlebensfähige und zu große Industrien aufrecht zu erhalten ist sinnlos, darin sind sich beide Richtungen einig.

Beide Argumentationsstränge eint die Befürchtung, dass der Einsatz staatlicher Gelder für Kurzarbeit kontraproduktiv ist, es zumindest sinnvollere, zielführendere –
und vor allem nachhaltigere – Investitionsbereiche gäbe. In diesem Zusammenhang bekommen allgemeine Fragen zur Umverteilung von Arbeitszeit neue Relevanz. Arbeitszeitverkürzungen und eine faire Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern und zwischen den Generationen müssen diskutiert werden. Noch ist das geschützte Vollzeitarbeitsverhältnis zumindest für Männer der Normalfall, es gilt jedoch, die Interessen jener Gruppen zu stärken, die über eine schwache Lobby verfügen. Eine Grundsicherung und eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes wären sinnvolle Solidarleistungen in Zeiten, deren wirtschaftliche Entwicklung offen ist.

Annika Schönauer, Soziologin und Ethnologin, arbeitet bei FORBA in Wien.

www.forba.at