UNGARN

Lange versuchten Grüne in Ungarn, die Hürden des kleinparteienfeindlichen Wahlrechts zu überwinden. Stets aber scheiterte eine landesweite Kandidatur an den zehntausenden dafür nötigen Unterstützungserklärungen. Eine neue Grünpartei, die erst wenige Monate alt ist, hat dies nun geschafft. Sie nennt sich LMP (Lehet más a politika), das heißt übersetzt „Eine andere Politik ist möglich“. Mit Unterstützung vieler AktivistInnen von NGOs, vor allem aus der Umwelt- und Menschenrechtsbewegung, ist es LMP gelungen, bei den Europawahlen 2009 anzutreten und mit 2,6 Prozent der Stimmen (noch vor dem liberalen SZDSZ) einen Achtungserfolg zu erreichen. Vor allem junge und urbane WählerInnen fühlen sich angesprochen, was der Situation im Westen nicht unähnlich ist. Im August organisierte LMP gemeinsam mit der „Green European Foundation“ eine Sommeruniversität an der Donau, bei der aktuelle Themen wie der zunehmende Rechtsextremismus, die Rechte der Roma, die Wirtschaftskrise und der „Green New Deal“ zur Sprache kamen. Als neue und nicht korrumpierte Kraft könnte LMP schon bei den Wahlen im nächsten Jahr für Überraschungen sorgen. Gerhard Jordan