Cinemaschine – Leben in Bildern

Wie in der letzten Cinemaschine versprochen, geht es diesmal (auch) um X-Men Origins: Wolverine, der ja ein Prequel ist, also nachträglicher Auftakt einer Filmserie; als solches ist er ein Film über die Formierung des aus der X-Men-Comic/Kino-Saga bekannten Superhelden-Teams. Hier geht es nun um Teams: um Filme, die von Teamwork handeln, Teams testen, deren Leistungskraft durchspielen und zelebrieren.

Nehmen wir an, Kino sei eine Cinemaschine, die soziales Leben bearbeitet; und weiter, dass in Filmen immer auch Formen des Bildens von Gemeinschaften, von Kooperation und wertschöpfender Sinnlichkeit geformt, ausprobiert, in der Fülle ihrer Fähigkeit vorgeführt werden. Dann kommen wir am Phänomen des Teamwork-Films nicht vorbei: In dessen Klassikern wie dem Western Die glorreichen Sieben oder dem Kriegsfilm Das dreckige Dutzend gab es in den Sixties neue Expertenarbeitskulturen, deren kultivierte Normabweichungen, undisziplinierte Kommunikation und flexible Projektorientierung, kurz: klopfte das (Freak)Team an die Tür eines Kapitalismus, der sich wandelte – hin zum neoliberalen Flexibilitätszwang, zum Postfordismus, zur Kontroll- (statt Disziplinar)Gesellschaft und was der Namen mehr sind.

Das Teamwork hat gesiegt; wer gestern Freak war, heißt heute „innovativer Mitarbeiter“. Heute, besonders heuer, haben wir Freak-Teamwork-Filme, deren Teams nicht nur kreative Action-Arbeitskraft vorführen sondern die Fähigkeit, andere Wirklichkeiten zu erzeugen, zumal eine andere historische Herkunft. Das gilt für die Neuschreibung der Team- und Serienurgeschichte im jüngsten Star Trek-Film oder für die Umschrift der Holocaustgeschichte in Inglourious Basterds, der mit mehr als einem (Gips)Bein auf den Spuren des Dreckigen Dutzend wandelt. Die Watchmen geistern durch die Nachkriegszeit der USA, bis sie 1985 in einem von Nixon, dem Sieger in Vietnam, regierten Amerika leben. Und die Ursprungs-X-Men des Wolverine-Films (dessen Vorspann – US-Historienrevue samt Smiley – den Watchmen zuzwinkert) verursachen den Reaktorunfall von Harrisburg 1979. Die Geschichte bekommt neue Ursachen und Anfänge. Indem dieser Film den Uranfang der X-Men-Saga nach Kanada anno 1845 verlegt, löscht er deren bisherigen Anfang – die „Erfindung“ jüdisch-mutantischer Gegenwehr gegen Verfolgung durch das Coming-Out von Magnetos Superkräften 1944 im NS-Vernichtungslager im ersten X-Men-Film (2000). Geschichte heißt, wie eine Vergangenheit uns heute angeht, uns anstarrt. Also kommt das Nazikilling-Hochleistungsteamwork der Basterds genau rechtzeitig.

Drehli Robnik