SPIEL OHNE GRENZEN

Charly Schall

Charly Schall

In Österreich sind ca. 60.000 Menschen spielsüchtig, weitere 150.000 gefährdet. Eine besondere Gefahr geht in diesem Zusammenhang von den Geldspielautomaten aus, die das „kleine Glück“ versprechen und oft große Verluste bescheren (bis 3.000 Euro pro Stunde), die aufgrund der rasend schnellen Spielintervalle trotz formeller Einsatzbeschränkung von 50 Cent pro Spiel möglich sind.

Hohes Verlustrisiko, leichter Zugang und mangelhafte Kontrolle sind laut ExpertInnen die Gründe dafür, dass das „kleine Glücksspiel“ an Automaten ein besonders hohes Suchtpotential hat. Neben den verheerenden sozialen Folgen für die Betroffenen und ihre Familien hat die mittlerweile unerträgliche Dichte an Spiellokalen vor allem in urbanen Gebieten mit vorwiegend einkommensschwachen Bevölkerungsschichten dramatische stadtsoziologische Konsequenzen: Wo Gasthäuser schließen und Geschäfte zusperren, siedeln sich Spiellokale an, die Folge ist ein gastronomischer und gewerblicher Kulturverlust, der vor allem in Wien ganze Viertel veröden lässt. Wer kann, zieht dann weg, was der Segregationsspirale gefährlichen Antrieb verleiht.

Bis jetzt ist das „kleine Glücksspiel“ vom Glücksspielmonopol des Bundes ausgenommen und der landesgesetzlichen Kompetenz unterworfen, erlaubt wurde es bislang in Wien, Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark. Das soll sich nun ändern. Statt den Auswüchsen und negativen Folgen des „kleinen Glücksspiels“ Einhalt zu gebieten, soll es bundesweit legalisiert und einheitlich geregelt werden.

Rigid gehandhabt wird dabei weniger der SpielerInnenschutz sondern vor allem die Konzessionsvergabe, in deren Genuss nur Glücksspielunternehmen kommen, die über mindestens 50 Millionen Euro Eigenkapital verfügen. Novomatic, ein weltweit operierendes Unternehmen und Österreichs größter Glücksspielbetreiber freut das, ist es doch das einzige Unternehmen im Lande, das dem gerecht wird. Ein Schelm wer glaubt, dass dieses Gesetz ganz auf Novomatic zugeschnitten ist, und ein Schelm wer glaubt, dass dieses Gesetz seinem parteiübergreifenden Netzwerk zu verdanken ist. Nur am Rande sei erwähnt, dass ÖVP-Wissenschaftsminister Gio Hahn bereits im Vorstand saß und SPÖ-Ex-Innenminister Karl Schlögl seit 2004 im Aufsichtsrat sitzt.

Wie auch immer, die bundesweite Legalisierung des „kleinen Glücksspiels“ ist ein Schritt in die falsche Richtung, der die ohnehin schon großen Probleme, die es verursacht, weiter verschärft.

Charly Schall lebt und arbeitet in Wien als Politikwissenschafter, Bezirksrat im 20. Bezirk und Leiter des Bundesbüros der Grünen Bildungswerkstatt.