KONGRESS
Welche Auswirkungen haben die aktuellen ökonomischen Entwicklungen auf die Geschlechterverhältnisse? Sind Frauen nur Opfer von Machtprozessen oder auch (Mit) Täterinnen? Umfasst der Mainstream-Feminismus alle Frauen? Diese und mehr Fragen wurden im Kongress „Schon so lange! Frauen in der Krise“ mit namhaften Wissenschafterinnen und Praktikerinnen diskutiert. Frigga Haug erläuterte theoretische Grundlagen und Ansatzpunkte für eine neue feministische Politik. Gegen die Ausdifferenzierung von Lebensbereichen plädierte Haug für die konzeptionelle Zusammenführung von Politik, Leben und Ökonomie. Diese bildete auch die Grundlage revolutionärer (Real)Politiken in der Geschichte.
Gabriele Michalitsch zeigte, dass die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Frauen und deren Arbeitsplätze in der Öffentlichkeit weitgehend negiert werden. Frauendominierte Berufe sind nämlich verstärkt von der aktuellen Ausbreitung von Atypisierungstendenzen und variablen Entgeltsystemen betroffen. Sie stellen auch den Hauptteil des informellen Sektors dar. Die staatlichen Entlastungspakete fokussieren hingegen auf männerdominierte Bereiche.
Beatrice Achaleke schuf ein Bewusstsein dafür, wie feministische Konzepte die Lebensrealitäten von Migrantinnen ausblenden, wenn sie sich an der Norm der weißen Frau orientieren. Die Frage der Chancengleichheit stellt sich Migrantinnen völlig anders als relativ privilegierten Österreicherinnen. Achaleke sieht im Konzept der Diversität das Konzept der Zukunft.
Zur thematischen Vertiefung kam es im Rahmen der drei Diskussionsforen am zweiten Kongresstag. Hier wurden verschiedene Lebensrealitäten innerhalb der Gruppe der Frauen, etwa von Sexarbeiterinnen oder Pflegekräften, aufgezeigt und grundlegende Begrifflichkeiten diskutiert. Schließlich wurde festgestellt, dass gerade Krisenzeiten nach Innovationspotentialen rufen und einen Nährboden für Visionen, Utopien und Neuorientierungen bilden.
(Isabella Meier)

