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INTEGRIERTS EUCH!?

Mit dem im planet-Verlag jüngst erschienenen Buch „Integrierts euch!?“ weist Autor Erdal Kalayci auf ein ständiges Dilemma im Integrationsprozess von MigrantInnen hin: Einerseits werden sie zur Integration aufgefordert, andererseits werden keine Integrationsziele und -maßnahmen definiert. Der Gestaltungsraum für die Betroffenen ist dadurch gering, zumal die Gesellschaft häufig mit Diskriminierung, Ungeduld und rassistischen Tönen aufwartet. Kalayci, Integrations- und Menschenrechtsreferent im Grünen Klub im Wiener Rathaus und selbst Migrant der sogenannten zweiten Generation, schlägt eine Weiterentwicklung der Integrationsdebatte in eine „Gesellschaftsentwicklungspolitik“ vor, die alle sozial- und einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen umfasst – darunter fallen sowohl MigrantInnen als auch Einheimische. Er geht davon aus, dass die Ursache von Problemen nicht ethnische oder kulturelle Hintergründe sondern vor allem sozioökonomische sind und dass die Konzentration bei Lösungsvorschlägen daher vor allem auf den sozialen Bereich ausgerichtet werden soll.

Erdal Kalayci: „Integrierts euch!?“
planetVerlag 2009, € 12,–
Mehr Infos & Online-Bestellung unter www.planet-verlat.at

 

WIDERSTAND

Die österreichische Politik engt die Handlungsräume zivilgesellschaftlicher Organisationen zunehmend ein. Da werden staatlich kontrollierte Parallelstrukturen aufgebaut um kritische NGOs auszuschalten oder außerparlamentarische Protestformen kriminalisiert.
Der zur Bekämpfung organisierten Verbrechens geschaffene § 278 ermöglicht es politische Kampagnen unter Strafe zu stellen: Nach über zweijähriger Bespitzelung wurden 2008 zehn TierschützerInnen, darunter Martin Balluch, für dreieinhalb Monate in Untersuchungshaft genommen.
Im vorliegenden Buch skizziert Balluch Beweggründe und Aktionsformen zivilen Ungehorsams im Rahmen konfrontativer Kampagnen. Im Zentrum steht die Frage nach der demokratiepolitischen Legitimität verschiedener (auch „illegaler“) Aktionsformen.

Martin Balluch: Widerstand in der Demokratie. Ziviler Ungehorsam und konfrontative Kampagnen. Promedia Verlag. 160 Seiten, € 9,90

 

ZEICHEN SETZEN

Karneval, Film, Musik, Literatur – sie alle können zutiefst politisch genutzt werden. Die sozialen Bewegungen Lateinamerikas spielen schon lange mit diesen Formen. Jens Kastner und Tom Waibel haben 14 Artikel zusammengetragen, die nach den damit einhergehenden Zeichen und nach der jeweils daraus folgenden Definitionsmacht von Kultur und dem Politischen fragen. Schade, dass der zweisprachige Band (deutsch und spanisch), alle Artikel unübersetzt lässt und damit LeserInnen ausschließt. Auch das ist ein Zeichen. Die Abstracts am Ende des Bandes versöhnen nur teilweise. Die Vielfalt der Ideen und Gedanken in diesem Buch überzeugt aber allemal.

Jens Kastner, Tom Waibel (Hg.): ... mit Hilfe der Zeichen | por medio de signos ... Transnationalismus, soziale Bewegungen und kulturelle Praktiken in Lateinamerika. ¡atención! Jahrbuch des Österr. Lateinamerika- Instituts, Bd 13. LIT Verlag, Wien/Münster 2009. 288 S, € 24,90