GRÜN KANN MAN NICHT KAUFEN

Foto: Lisa Bolyos

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Seit wenigen Wochen amtiert Stefan Wallner als Bundesgeschäftsführer der Grünen. planet traf sich mit ihm zu einem Gespräch über Grüne Themen in den anstehenden Wahlkämpfen, seine Erfahrungen während der Väterkarenz und ausgelegte Bananenschalen der politischen Konkurrenz. Das Gespräch führte Philipp-Stephan Schneider.

Wann kam für Dich der Zeitpunkt, dich parteipolitisch zu engagieren?

Eva Glawischnig hat mich wegen einer Mitarbeit bei den Grünen direkt angesprochen. Da die Grünen für mich politisch ohne Alternative sind und ich glaube, dass es eine andere Politik in Österreich braucht, habe ich nicht lange überlegt. Ich habe in meiner früheren Tätigkeit bei der Caritas schon sehr viel mit Politik zu tun gehabt, habe vom Flüchtlings-, über den Migrations-, bis hin zum Sozialbereich über Jahre hinweg mit Regierungsmitgliedern und Kabinetten verhandelt. Ich war also sehr nahe an der Politik dran. Meine emotionale Heimat war aber schon immer bei den Grünen und viele Menschen haben mich ermutigt, diesen Schritt zu wagen. Und bis jetzt habe ich es noch nicht bereut.

So lange bist Du ja nun auch noch nicht in dieser Position.

Nein, das zwar noch nicht, aber bei einem Wechsel in eine solche Position werden am Anfang schon mal von politischen Konkurrenten die Bananenschalen ausgelegt. Es gibt natürlich auch intern eine erhöhte Aufmerksamkeit und einen ziemlichen Erwartungsdruck. Ich erlebe aber viel positive Stimmung und tolle, engagierte Leute.

Wie können sich die Grünen in der österreichischen politischen Landschaft am besten positionieren?

Beide großen Parteien sind inhaltlich leer. Sie vernachlässigen nicht nur für sie wichtige Milieus, sie verstehen sie auch längst nicht mehr. In der ÖVP ist das vor allem der sozial engagierte, kirchennahe Bereich, aus dem viele Menschen bereits längst bei den Grünen gelandet sind. Ähnlich verhält es sich bei der SPÖ mit sozial engagierten Menschen und Teilen der linken zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Bei den Grünen funktioniert das sehr viel besser, da die Zivilgesellschaft eng mit der Gründungsgeschichte der Grünen zusammenhängt und sich die Grünen seit ihrer Gründung für die Verbesserung der Zukunft eingesetzt haben, während die anderen Parteien sich mittlerweile mehr über das Bewahren definieren. Insofern sind wir sicher die modernste Partei und müssen das auch nach außen transportieren.

Stichwort "nach außen transportieren" - Was hat sich der ehemalige Kommunikationstrainer für die Grüne Kommunikation vorgenommen?

Wir müssen uns fragen, wie wir neben der wichtigen politischen Kontrollarbeit im Parlament auch große Visionen über einen längeren Zeitraum hinaus kommunizieren können. Diese Visionen sind ja bereits vorhanden, müssen aber sprachlich klarer und emotionaler werden. Die eigentliche Herausforderung ist es, Visionen einer gerechten Gesellschaft und eines guten Lebens für alle zu entwerfen, für die es sich gemeinsam zu kämpfen lohnt.

Mit welchen Themen gehen die Grünen ins Wahlkampfjahr 2010?

Wir werden dieses Jahr mit einer Reihe brisanter gesellschaftlicher Themen angehen. Dazu gehört die Verteilung der Lasten und Kosten der Wirtschaftskrise und welche Regelungen wir brauchen, um eine Wiederholung zu vermeiden. Wir müssen aber auch die sozialen Folgen der Krise gemeinsam in den Griff bekommen.Wir schlagen einen Pakt gegen Armut vor und arbeiten für eine zukunftsorientierte Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik. Wir müssen zudem die sich aus dem Klimaschutz ergebenden Chancen – Stichwort Green Jobs – nutzen, denn dort liegt einer der Jobmotoren der Zukunft. Rechtsstaatlichkeit und die Einhaltung der Menschenrechte sind der dritte große Themenblock. Wir erleben derzeit einen Wettlauf um das grauslichste Wort gegen MigrantInnen und AsylwerberInnen. Da müssen wir klar dagegenhalten. Das gilt auch für Parteienfinanzierung und Korruption. Wir Grüne verfügen in dieser Hinsicht über eine hohe Glaubwürdigkeit, denn Grüne kann man nicht kaufen.

Was hast Du Dir von Deiner Vorgängerin Michaela Sburny abgeschaut?

Die Fähigkeit zu vermitteln und die Erkenntnis zur Notwendigkeit, manchmal Konflikte austragen und Dinge entscheiden zu müssen, die in der eigenen Bewegung nicht immer populär sind.

Du warst in Väterkarenz, die sich in Österreich noch immer nicht wirklich durchgesetzt hat. Wie würdest Du sie zukünftigen Vätern schmackhaft machen?

Jeder Vater sollte diese Erfahrung gemacht haben, da der Kontakt mit dem Kind einfach ein viel intensiverer ist. Nach der Karenz ist meine Tochter in der Nacht zu mir gekommen, wenn sie Bauchweh hatte oder schlecht geträumt hat, und ich kenne nicht viele Männer, bei denen das genauso ist. Natürlich ist das manchmal anstrengend, gleichzeitig ist es aber wunderschön und es ermöglicht eine Beziehungsform, in der Frau und Mann völlig gleichberechtigt sind.

Glaubt der ehemalige Schilehrer heuer noch an einen österreichischen Abfahrtssieg im Herren-Weltcup?

Das würde ich mich nicht vorherzusagen trauen. Viel mehr bewegt mich, wie es mir beim ersten Grünen Schirennen ergehen wird. Da ist die Konkurrenz nämlich unglaublich hart.