CINEMASCHINE
Drei der Hollywoodfilme, die jüngst im Kino und in der Oscarnacht erfolgreich waren, haben etwas gemeinsam: Sie verknüpfen Bilder, die Fliegen als prekären Glückszustand zeigen, mit Bildern von wieder zu findendem Familienglück – von Familie und angestammtem Heim als verlorene, durch Erinnerung neu zu entfachende Nestwärme.
In Up in the Air fliegt George Clooney als passionierter Einzelgänger und Selbstbehauptungscoach Tag für Tag durch Amerika, um Kündigungen abzuwickeln. Der Film verkündet einen Gegensatz zwischen „Flying“ und „Family“, sowie die Moral, dass der Mensch nicht von kalten, nackten Zahlen lebt – von Dollars, Flugmeilen, Rationalisierungsquoten, Sex-Dates –, sondern jene Geborgenheit braucht, die nur Familien bieten. Diese Lektion in Regression hat der Vielflieger am Ende gelernt, kann aber nicht „landen“; also fliegt er voll Bindungssehnsucht weiter. Ein ähnlicher Titel und ein auch nicht mehr junger, aber nicht ganz so fesch ergrauter Held: der alte Witwer im Animationsfilm Up, vulgo Oben. Der tut, was Clooney in Up in the Air predigt: Ballast abwerfen. Oben in den Wolken trennt er sich von seinem Haus, von der Fixierung auf seine Verflossene und vom ehelichen Fotoalbum und schlägt am Ende ein neues „Adventure Book“ auf, als Ersatzpapa/ Leihopa eines wertkonservativen Pfadfinderbuben.
Auch Up bietet in der sogenannten Krise Einsichten, zumal all den Amis, die ihr Haus verloren haben: Man muss loslassen können. Und: Auch für Alte gibt’s genug zu tun, wenn der Arbeitsmarkt nicht durch staatliche Pensionen verzerrt ist. Up bedient Opa- und Enkerl-Zielgruppen gleichermaßen und propagiert einen neuen, postfeministischen Generationenvertrag: Der Geist der selbstbewussten Ehefrau wird ausgetrieben, damit die Männlein traditionelles Familienglück leben können.
Auch Avatar ist ein programmatischer 3-D-Film, der Aufbruch in neue (Luft)Räume verheißt: Kulturen, seien es Sozietäten, sei es das Kino als Erfahrungsraum, sollen ihr Heim neu definieren, sollen raus aus dem morschen Analog-Baumhaus, rein in den Netzwerk-Baum, der Gedächtnis ist! Wie in Up wird auch in Avatar ein alter charismatischer Despot (Muntz bzw. der Colonel) demontiert, und der Kapitalismus erfindet sich neu: als schrullig und ethnic, nerdig und erdig. Heißt die Alternative also: entweder Familie als Klan der wärmenden Geborgenheitsrituale, also avatarisch; oder altvatrisch, als Klan der eisigen Strafrituale, wie in Das weiße Band?
Nun, bei soviel Angst vor Kälte und Sehnsucht nach sozialer Wärme sollte man eher fragen, wer im nestwarmen Sozialraum die Heizkosten zahlt, wer zum Zweck des Zusammenhalts, nämlich als Heuschreck und Schädling identifiziert, (diskursiv) verheizt wird. (Drehli Robnik)
