VOR ORT

Vor Ort bin ich diesmal im Internet, und zwar bei der Wahl für die „Giftgrüne Brennnessel“, die die Grünen am sogenannten Frauentag (8. März) für den frauenfeindlichsten Spruch verleihen werden. Das Voting dazu lief vom 25. Februar bis 3. März. Und schon sehr bald war klar, dass Landeshauptmann Gerhard Dörfler dabei eine besondere Rolle einnehmen würde. Gleich mit mehreren Sprüchen hatte er sich zum Favoriten des unrühmlichen Preises gemacht. Er fungierte sogar als Namensgeber des Wettbewerbs: „Ich freue mich unglaublich, wenn mir meine Frau um zehn Uhr abends noch eine frische Brennnesselsuppe machen kann und sie nicht abgehetzt und müde ist.“ Leicht möglich, dass er von den Grünen Frauen dafür eine giftige Brennnessel verliehen bekommt.

Eigentlich reicht es mir schon mit diesem Spruch. Ich will gar nicht mehr wissen. Aber dann lese ich doch weiter, nicht wissend, ob aus feministischem Masochismus oder aufgrund der Unfassbarkeit, dass so etwas heute noch möglich ist. Also weiter auf der Website. Da hätten wir zum Beispiel Kurt Kostenzer, den Bürgermeister von Pill (bei Schwaz in Tirol). Er sagte einmal: „ Wir brauchen keine Kinderbetreuungsplätze. Unsere Frauen haben Mütter, Schwiegermütter und Großmütter.“ Ach ja!

Die Tiroler Männer mischen bei diesem Wettbewerb überhaupt recht kräftig mit. Otto Sarnthein, der Landeskommandant der Tiroler Schützen, ist mit dem Spruch vertreten: „Was Tradition ist, muss Tradition bleiben: Die Mander tragen die Gewehre, die Frauen den Schnaps.“

Diesen Spruch hörte ich schon als kleines Mädchen, als ich mich – in völliger Naivität und Verkennung des historischen Kontextes – erkundigte, ob ich Schützin werden könnte. Seitdem bin ich erwachsen geworden, die Schützen anscheinend noch immer nicht.

Meine Stimme bekam dann aber doch ein Arzt aus Bregenz mit: „Es ist nun mal eine anatomische Tatsache, dass Frauen 20 Prozent weniger Hirnmasse haben und daher bei gleicher Förderung weniger geeignet für Leitungsaufgaben sind.“ Das lesend verstand ich endlich, was mit dem Ausdruck fremdschämen gemeint ist. Das sahen wohl auch andere so, denn bereits am ersten Tag führte er die Liste klar an.

Der „Gewinner“ stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Wer bei der Preisverleihung am 8. März (Bundesbüro der Grünen, Rooseveltplatz 4-5/Top 5, 1090 Wien, um 10.30 Uhr), bei der Kabarettist Werner Brix die besten Sprüche zum Besten geben wird, selbst vor Ort sein möchte, kann sich anmelden bei: lydia.ponleitner-martinek(at)gruene.at