WENN DER GIS-MANN ZWEIMAL KLINGELT

Vorletzte Woche war es wieder einmal soweit: Der GIS-Mann hat bei mir an der Wohnungstür geklingelt – Wie ist er eigentlich ins Haus gekommen? – und hat gefragt, wie das denn nun sei, die Situation an sich in meinem Haushalt. Es war derselbe GIS-Mann, der schon vor eineinhalb Jahren an der Tür geklingelt hatte. Damals hatte er noch gefragt, ob er denn kurz – auf einen Sprung – hereinkommen könne. Vampirfilm-Expertin, die ich bin, weiß ich allerdings, dass nicht alle, die begehren, die Schwelle zu übertreten, vertrauenswürdige Absichten haben. Also habe ich vor eineinhalb Jahren zum GIS-Mann gesagt: „Nein, können Sie nicht, außer Sie haben einen Durchsuchungsbefehl, aber den haben Sie vermutlich nicht.“

Vielleicht wegen dieser Konversation (die er sich – so nehme ich an – als Aktenvermerk notiert und an diesem Tag noch kurz vorher im Lift durchgelesen hatte) war der GIS-Mann bereits ohne diesen Punkt in seiner Gesprachsführung an mich herangetreten. Und ich habe mir diesmal gedacht, jetzt werde ich grundsätzlich! Und sagte in etwa: „Ich habe ihnen schon beim letzten Mal gesagt, ich besitze keinen Fernseher, und ich sehe seit sieben Jahren nicht mehr fern.“ Ob er sich nicht vorstellen könne, dass es solche Menschen wie mich gäbe, die gar nicht fernsehen wollten. Doch ja, das könne er schon, antwortete der GIS-Mann.

Und – sagte ich – ob er mir erklären könne, warum man quasi unter diesem Grundverdacht stehe, fernzusehen, diese Grundannahme, dass jede/r fern sieht und wer nicht zahlt, die/der muss überprüft werden. Das sei doch an sich eine seltsame Grundhaltung. Ich persönlich kenne auf jeden Fall drei Menschen und ihre Familien, die keine Televisionsgeräte besitzen, sagte ich zum GIS-Mann, und ob es denn statistische Daten geben würde über fernsehfreie Haushalte. Und wenn es eine GIS-Panel-Diskussion geben würde darüber, dann stelle ich mich freiwillig als Diskutantin zur Verfügung: weil mir genügen die Tage, an denen ich auf Geschäftsreise oder im Urlaub im Hotel oder einer anderen Unterkunft bin, die mit TVs ausgestattet sind, um zu wissen, was mir nicht abgeht. Jetzt stellt sich nur die Frage, wie das werden wird, wenn mein Sohn in die Schule kommt, der soziale Druck und so ...

Hina Berau ist planet-Lektorin, Übersetzerin und (Text/Film)Produzentin.