CINEMASCHINE - LEBEN IN BILDERN
Ridley Scotts Robin Hood ist ein Prequel, eine Vorgeschichte zur Geschichte, zugleich ein Making Of: Der Film erzählt, wie ein Held, der uns aus der Popkultur vertraut ist, zu dem wurde, was er ist. Was ist er? Etwas anderes, zumal Echteres, Raueres, als wir bisher glaubten: Wie die Relaunches der Kino-Ikonen Batman und Bond zeigt auch Robin Hood einen betont „dreckigen“, nicht oberflächlichen Helden.
Und so wie der als keuchender Härtling neu gestartete Bond sich uns erst am Ende von Casino Royale mit „My name is Bond. James Bond.“ vorstellte, so wird nun auch Mr. Hood, Robin Hood, erst am Filmende zum Räuber im Sherwood Forrest. Dieses Making of Robin Hood erfolgt per Dekret, zweifach: King John selbst erklärt ihn geifernd für vogelfrei, dann steht groß im Bild „And so the legend begins“. Der Film endet startklar für sein Sequel und mit einem vervollständigten, wohlbekannten Bild: zum einen mit dem Outlaw in Wams und Wald, der ab nun den Sheriff von Nottingham ärgern wird; zum anderen damit, dass Robin Hood sich als komplette Neuauflage von Gladiator erweist. Dieselbe Konfliktkonstellation wie in Ridley Scotts zehn Jahre altem Römerfilm: Russell Crowe als lebensweiser Krieger, der in Ungnade fiel, ficht unerkannt für die Freiheit – gegen den Usurpator des Throns, der ihn mit dem Bann belegt, einen divenhaft agierenden Mann mit dunklen Locken, weichem Antlitz und viel Makeup. In Gladiator war dies Joaquin Phoenix als Commodus, der es sich mit seiner Schwester kommod macht, nun ist es Oscar Isaac als King John: Sein Gerammel mit der Gattin sollen wir als aufgesetzt empfinden, seine Mutterbeziehung als bedenklich. Norm-Mannen gegen Normannen; ein Thronfolger gezeichnet als nicht richtig heterosexuell: Zwei Szenen lang scheint es, als würde diese Figur in Robin Hood doch anders bewertet werden, doch am Ende ist das Feindbild wieder vollständig und intakt, so homophob wie anno 2000. Robin ist 2010 ein egalitärer Volksheld, der eine Verfassung erzwingen will. Viel Pathos zu einem hohen Preis: Gleichheit gilt hier nur für richtige Kerle. Der Film tritt an, die Figur zu re-authentisieren: ohne pfiffigen Charme, Strumpfhose oder sonstigen Fummel. Was sich hier als poppolitisch gebärdet, ist (wie so oft, wenn heute etwas als antikapitalistisch daherkommt) übler Fundamentalismus: Weg mit den Unechten! „Build your country like a cathedral, from the ground up!“ (And build your sequel like a cathedral.) So fordert Robin die Magna Carta: ein Grund-Gesetz, hier verstanden als völkische Leitkultur. Dagegen hilft im Heldenkino heute nur eine zweite Dosis Satire von Kapitalmachthabitus als Hormonstörung: gegen das Erdig-Echte die eiserne Ironie von Iron Man II.

