PLANETENSTERBEN

Die letzten Wochen waren für die planet-Redaktion ungewohnt turbulent. Jahrelang hatte es von Seiten des Vorstandes Diskussionen um den Sinn des planet gegeben. Alle anderen Parteiakademien hatten ihre Printmedien längst auf Folder reduziert. Der planet wurde zwar immer wieder einem Relaunch unterzogen, war aber noch immer annähernd das, als was er Ende der 1990er Jahre gegründet worden war: eine Zeitung, die sich in Ruhe einigen Themen widmete, die in anderen Medien vergessen oder für zu unbedeutend gehalten wurden. Beim planet schien es die Zeit zu geben, ein wenig hinter die Dinge zu blicken.

Eine Besonderheit des planet war auch, dass er nie Parteizeitung war – und auch nicht sein sollte. Da waren sich Redaktionsteam und Vorstand über lange Zeit
einig. Der planet bedeutete damit einen Freiraum, aber auch einen Anknüpfungspunkt für jene, die zwar grünnahe waren, aber aus den verschiedensten Gründen eine kritische Distanz zur Partei wahrten.

Wie im Editorial angekündigt, wird sich das nun ändern. Der planet wird eingestellt, voraussichtlich mit der nächsten Ausgabe. Auch wenn es derzeit so aussieht, als könnte es weiterhin ein Printprodukt der Grünen Bildungswerkstatt geben, wird es ein ganz anderes sein. Wenn ich mir das Unverständnis und die Sentimentalität darüber für das Private spare, bleibt dennoch ein fahler Beigeschmack. Ist das Ende des planet ein Symptom? Kann es ein Zufall sein, dass man sich eines gewohnten Projektes in einer Zeit entledigt, in der es die Grünen bei Wahlen zumindest nicht allzu leicht haben, unter anderem mit dem Vorwurf, dass Themen fehlen oder zuwenig verständlich vermittelt werden?

Es ließe sich nun mit Wortspielen argumentieren, dass die grüne Welt kleiner wird, wenn der planet stirbt. Aber dies ist kein Aufruf, den planet mit LeserInnenbriefen zu retten. Eher umgekehrt: Es ist der Aufruf an jene, die grüne Politik machen (wollen), verstärkt nach außen zu kommunizieren, sich verständlich zu machen und dabei das nicht aus den Augen zu verlieren, was früher als das Grüne Projekt galt. Damit war eine Lebenseinstellung nicht nur gegenüber sich selbst gemeint sondern immer mit Blick auf jene, die von anderen vergessen werden. Also ist die Welt doch kleiner geworden?

Daniela Ingruber ist Chefredakteurin des planet und Kriegsforscherin.