ÜBER DEN MUT KEINE BIENE ZU SEIN

Das Verhalten vieler von uns Jugendlichen ähnelt oft dem eines Bienenschwarms, der nur als Gruppe auftreten kann, und in dem sich alle Bienen weitgehend identisch verhalten (müssen). Angefangen beim äußerlichen Erscheinungsbild bis hin zu den – sofern überhaupt vorhandenen – Interessen, kann man kaum einen Teenager finden, der sich dem Gruppenzwang entziehen kann.

Trotzdem sollte man den Grund für dieses Verhalten nicht nur bei den Jugendlichen sondern auch in ihrer Umwelt suchen. Wenn sich unsere Eltern oder andere nahe stehenden Personen mehr unseren Interessen annähmen oder häufiger das Risiko eines anspruchsvollen Gesprächs mit uns eingingen, würde uns das bei der Entwicklung unserer eigenen Meinung helfen. Es gibt aber auch andere Faktoren, die für dieses „Massenverhalten“ verantwortlich sind, unter anderem etwa die Suggestion der Medien. Tagtäglich sind es immer die gleichen „schönen“ Mädchen, die in den Filmen die starken, umschwärmten Basketballspieler ergattern und dafür eigentlich nur hübsch und unkompliziert wirken müssen. Irgendwelche Charaktereigenschaften sind dabei so gut wie gar nicht erforderlich.

Zu unserer Verteidigung: Es ist wirklich nicht einfach inmitten einer einheitlich denkenden und handelnden Umgebung seinen eigenen Weg zu finden. Oft haben wir Jugendliche einfach Hemmungen zu einer Meinung Stellung zu nehmen, die nicht der Mehrheit entspricht. Wenn man sich keiner Antwort gewiss ist, ist es leichter zu schweigen.

Natürlich sind Kompromisse und Integration nötig, nur: Viele unsichere Jugendliche verstehen darunter die totale Anpassung. Dabei kann Integration auch in Form von spannenden Pro- & Contra-Diskussionen stattfinden. Wenn immer alle derselben Meinung sind, wird keine ernsthafte Auseinandersetzung entstehen. Wenn man nicht bereit ist einen Teil von sich und seiner Meinung preiszugeben und dahinter zu stehen, wird man à la longue nicht als Persönlichkeit akzeptiert werden.

Oft wird die eigene Unsicherheit durch Mobbing von anderen überspielt. Damit wäre auch die stark verbreitete Ausländerfeindlichkeit unter den Jugendlichen aus Angst vor dem Unbekannten/Unvertrauten zu erklären. Ich glaube, junge Menschen verhalten sich oft so, weil sie unsicher sind und ihre Angst zu groß ist, irgendwann einmal allein dazustehen. Die Kunst liegt meiner Meinung nach darin, sich trotz eigener Interessen oder abweichender Vorlieben nicht marginalisieren zu lassen, sondern den Gegenüberstehenden durch Sympathie von sich zu überzeugen. Das ist fraglos der schwierigere Weg Freundschaften zu schließen, schlussendlich aber viel spannender und bereichender. Mit der nötigen Neugierde und Offenheit wird man damit viele spannende Entdeckungen machen können.

Isabella Campestrini besucht die 5.Klasse des GRG3 in Wien und interessiert sich für Literatur, Film und Schauspiel.